Frau kratzt sich bei Neurodermits

Neurodermitis – Atopisches Ekzem

Jucken? Nein Danke!

Eine schöne und gesunde Haut, trotz Neurodermitis!

Das atopische Ekzem, welches auch atopische Dermatitis, endogenes Ekzem, oder eben Neurodermitis ist eine chronische,  entzündliche und nicht ansteckende Hauterkrankung. Der Begriff Neurodermitis begründet sich auf der früheren und falschen Annahme, dass es sich hierbei um eine Nervenentzündung handelt.

Was ist Neurodermitis?

Eine Erkrankung, welche meist schon im Kindesalter auftritt und manchmal bei Erwachsenen von alleine und vollständig wieder verschwindet. Meist jedoch bleibt sie auch in den späteren Jahren erhalten und die Betroffenen leiden dann unter einer sehr trockenen, empfindlichen und juckenden Haut, welche besonders an Stellen wie Ellenbogen, Kniekehlen, im Nacken und der Kopfhaut stark gerötet und schuppig entzündet ist.

Dies liegt daran, dass die Haut kaum natürliche Schutzfunktion hat und so auf jegliche Art von Umwelteinflüssen extrem sensibel reagiert. Ausgelöst werden können die Hautreize äusserlich durch Wärme, belastetes Wasser, trockene Zimmerluft, Unverträglichkeit von Waschmitteln oder Hautpflegeprodukten, Schweiss, synthetische Kleidung und vieles mehr.

Typisch ist auch ein schubweiser Verlauf mit teilweise beschwerdefreien Intervallen, welche sich mit plötzlichem Wiederausbrechen der Erkrankung abwechseln.

Tritt die Neurodermitis zusammen mit einer Pollenallergie und einem allergischen Asthma auf, dann bezeichnet man dies als Atopische Trias.

Das atopische Ekzem gilt nach wie vor als nicht heilbar, kann aber besonders in der Naturheilkunde sehr wirkungsvoll behandelt werden, so dass die Betroffenen vollkommen beschwerdefrei werden können. Hierzu ist eine konsequente und vor allem ganzheitliche Therapie sehr wichtig.

Ursachen

Genaue Ursachen sind bisher noch unbekannt, es wird eine Vielzahl von sowohl genetischen Faktoren, immunologischen Veränderungen als auch Umwelteinflüssen angenommen.

Im einzelnen sind das:

  • Genetische, also familiäre Faktoren spielen eine große Rolle, so sind Kinder, wo beide Elternteile unter Neurodermitis leiden zu fast 70 Prozent auch selbst betroffen.

Es wurden verschiedene Gene identifiziert, welche bei der Krankheitsentstehung eine Rolle spielen, jedoch ist das Vorhandensein dieser Gene keine Voraussetzung um zu erkranken.

  • Immunologische Prozesse, welche durch einen primären Defekt der Hautbarriere, wie eine lokale Entzündung in Gang gesetzt werden. Es dringen Keime und Allergene durch die geschädigte Haut in den Körper ein, welcher mit einer überschießenden Immunantwort reagiert, ganz ähnlich, wie beim Heuschnupfen, oder Pollenallergie. Diese Reaktion wird dann nicht mehr gestoppt, sondern läuft wegen eines Defektes der hornbildenden Zellen, der sogenannten Kreatinozyten immer weiter. Ebenso stehen Bakterien der Art Staphylococcus aureus, als auch Pilze wie Pityrosporum ovale oder Candida albicans und diverse Viren in Verdacht, eine Neurodermitis auszulösen oder zu unterstützen.
  • Dysbakterie, eine Neurodermitis steht, wie fast alle Hauterkrankungen in einem engen Zusammenhang mit der Darmgesundheit. Ist die Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten, treten fast immer begleitend Hauterscheinungen zu Tage.

Unter einer Dysbakterie versteht man ein Ungleichgewicht der den Darm besiedelnden nützlichen, guten Bakterien und den schädlichen, pathogenen Keime. Dies schädigt über lange Zeit hinaus die Darmschleimhaut und führt dazu, dass Bakterien, Viren, Pilze, Allergene und vieles mehr durch die Darmwand gelangen können und nicht ordnungsgemäß vom Immunsystem abgewehrt werden.

  • Candida Albicans Befall der Darmschleimhaut, der Pilz produziert hier giftige Toxine, welche in die Blutbahn gelangen und eine allergische Reaktion und Entzündungen der Haut auslösen.
  • Psychischer Stress kann ebenfalls eine Neurodermitis auslösen. In der Haut befinden sich Nervenzellen, welche in einer Stresssituation Neuropeptide (Botenstoffe) freisetzen, die das Immunsystem ihrerseits zu einer Abwehraktion veranlassen, indem verstärkt Histamin ausgeschüttet wird. Histamin verstärkt die Entzündungsreaktion der Haut und somit der Symptome. Dieses führt zu einem Teufelskreis, da nun ebenfalls der Stresslevel des betroffenen Patienten steigt, was wiederum mehr Histamin ausschüttet und so weiter.
  • Fehlerhafte Ernährung schwächt den Organismus und somit das Immunsystem, da wichtige Vital- und Mikronährstoffe fehlen und stattdessen hoch verarbeitete Industrienahrungsmittel verzehrt werden.
  • Aggressive Hautpflegeprodukte schädigen mit zahlreichen Chemikalien die schon geschwächte Hautbarriere zusätzlich

Symptome

  • trockene, schuppige, entzündliche und gerötete Haut
  • starker Juckreiz, besonders Nachts
  • Lichenifikation, eine Verdickung und Vergröberung der Haut
  • Ekzeme, Pusteln, Knoten
  • Bei Säuglingen vor allem Krustenbildung, der sogenannte Milchschorf
  • Betroffen sind vor allem das Gesicht, die Kopfhaut, Nacken, Ellenbeugen, Kniekehlen, Hände und Füße
  • Infektionen der betroffenen Stellen durch Bakterien, Viren und Pilze mit teilweise lebensbedrohlichen Komplikationen

Diagnose

Da viele Hauterkrankungen ähnliche Symptome hervorrufen, wie ein atopisches Ekzem, ist eine sehr genaue Diagnoseführung sehr wichtig.

  • Je nach Alter entsprechende Ausprägung und Lokalisation der Hauterscheinungen
  • Juckreiz
  • Beginn im Kindheitsalter
  • Schubweiser Verlauf
  • Atopische Zeichen:
    · trockene Haut (Sebostase)
    · doppelte Lidfalte unter den Augen (Dennie-Morgan-Falte)
    · Augenbrauen seitlich sehr dünn (Hertoghe-Zeichen)
    · tiefe Hautlinien in den Handinnenflächen
    · festes streichen über die Haut führt zu weißen Linien (Dermographismus), bei gesunden Menschen sind die Linien rot
    · Haut um die Augen scheint dunkler
  • Allergietests (Antikörper im Blut, Prick-Test, Epikutantest)
  • Differentialdiagnosen sollten gründlich überprüft werden

Therapie

Da das atopische Ekzem eine Erkrankung ist, die nicht vollständig geheilt werden kann, ist eine Linderung der Symptome vorderstes Ziel bei einer Behandlung. Hier gibt es eine sehr große Auswahl an Therapiemöglichkeiten, welche optimalerweise in Kombination angewandt werden sollten.

  • Vermeidungsstrategien entwickeln, so dass der Betroffene möglichst alle Faktoren meiden kann, welche seine Erkrankung verschlimmern und Schübe auslösen.
  • Hautpflegeprodukte um die Hautbarriere zu verbessern, die Haut sollte immer feucht und flexibel sein. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass keine Parfüm und sonstige Zusatzstoffe enthalten sind.
  • Wirkstoffhaltige Salben, zum Beispiel mit Harnstoff, Hanföl, Nachtkerzenöl, Zink, Johanniskraut, Dexpanthenol.
  • Antibiotische, fungizide Salben bei bakteriellen oder Pilzbefall
  • Cortisonpräparate, sowohl als Salben als auch Tabletten
  • Antiallergika (Antihistaminika)
  • Cyclosporin A
  • Lichttherapie und Klimabehandlung
  • Substitution von Vitamin D und E
  • Homöopathie
  • Akupunktur
  • Eigenbluttherapie
  • und vieles mehr

Eine sehr wichtige Bedeutung hat das Patienten Selbstmanagement. Hier sollte sich sehr viel Zeit genommen werden von dem behandelnden Arzt oder Therapeuten. Da eine lebenslange Therapie vonnöten ist und diese in den Alltag eingebaut werden muss, bedeutet das besonders für Familien zusätzlichen großen Stress. Da Stress wiederum die Neurodermitis verstärkt, ist hier besondere Aufmerksamkeit geboten.

Grade wenn Kinder betroffen sind und durch den Juckreiz nachts nicht  schlafen können, sind sie tagsüber quengelig  und unkonzentriert. Wenn dann auch noch eine konsequente Ernährungsumstellung eingehalten werden muss, entsteht in der Familie oft ein Teufelskreis von Stress und Ärger.

Hier ist eine einfühlsame und kompetente therapeutische Begleitung notwendig, um den Betroffenen wirkungsvolle Techniken der Selbstentspannung, Alltagsbewältigung, Umgang mit dem Juckreiz und Ernährung an die Hand zu geben.

Oft ist auch eine psychotherapeutische begleitende Behandlung sehr sinnvoll, damit Betroffene sich mit ihren Sorgen und Problemen nicht alleine gelassen fühlen und sich gleichzeitig in Selbsthilfegruppen mit Leidensgenossen austauschen können.