Frau tastet die Schilddrüse ab

Schilddrüsenunterfunktion-Hypothyreose

Krankheitsbilder

Die Schilddrüsenunterfunktion

Was ist das und wie werde ich sie wieder los?

Eine Schilddrüsenunterfunktion wird in der Medizin auch Hypothyreose genannt und ist dann gegeben, wenn die Schilddrüse weniger Hormone herstellt, als der Körper benötigt.

Die Schilddrüse ist schmetterlingsförmig gebaut und liegt im Hals an dem Kehlkopf. Sie benötigt Jod und Eiweiße und stellt daraus das Hormon Thyroxin (T4) her, welches im Körper zum Teil zu Trijodthyronin (T3) umgewandelt wird.

Diese Hormone sind für unseren Körper lebenswichtig, sie beeinflussen sehr stark den Stoffwechsel, das psychische Befinden, die körperliche Entwicklung und den Kreislauf. Fehlen sie, laufen all diese Vorgänge langsamer ab als normal.

Daher ist eine Hypothyreose für die Betroffenen oft eine sehr große Belastung.

Ursachen

Selten ist die Schilddrüsenunterfunktion angeboren, meist wird sie erworben durch Entzündungen, Autoimmunprozesse oder extremen Jodmangel durch Fehlernährung.

Auch eine Schädigung der wichtigen Regelzentren im Gehirn (in diesem Fall der Thalamus und Hypothalamus) kann zu dieser Erkrankung führen.

Sehen wir uns diese Ursachen einmal genauer an:

Angeborene Hypothyreose

Eins von etwa viertausend Neugeborenen leidet unter einer angeborenen Unterfunktion. Da diese zu schwerwiegenden Schäden in der geistigen und körperlichen Entwicklung führen kann, ist es mittlerweile in Deutschland im sogenannten Neugeborenenscreening vorgeschrieben, auf eine Mögliche Störung zu untersuchen. Dabei wird er TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) Wert im Blut bestimmt und im Erkrankungsfall rasch therapiert.

Geschieht dies nicht, spricht man bei voller Ausprägung der Erkrankung von Kretinismus. Die Symptome sind dann Kleinwuchs, geistige Behinderung, extreme Kropfbildung, Sprachstörungen, Schwerhörigkeit und vieles mehr.

Die teilweise extremen körperlichen Deformitäten ließen die Menschen im Mittelalter an eine dämonische Besessenheit denken, man ging davon aus, dass das Kind durch den Teufel persönlich geraubt und durch eins seiner Kinder ersetzt wurde. Hierbei entstand der Begriff „Wechselbalg“.

Erworbene Hypothyreose

Es stehen heutzutage viele Faktoren im Verdacht, eine Schilddrüsenunterfunktion auszulösen, auch wenn es dafür noch keine eindeutigen wissenschaftlichen Erklärungen und Studien gibt.

Hierunter fallen zum Beispiel:

  • ein Dopamin und/oder Serotoninmangel im Gehirn soll die Funktion des Hypothalamus stören, welcher zum Beispiel durch Insulinresistenz oder Diabetes ausgelöst wird
  • chronische Entzündungen, welche durch Darminfekte, Infektionen mit Eppstein-Barr-Virus oder Borreliose, Nahrungsmittelallergien, Schimmelpilze, Umweltgifte und vieles mehr ausgelöst werden
  • Progesteronmangel
  • Östrogendominanz
  • Testosteronüberschuss
  • verschiedene Medikamente
  • falsche Ernährung und Nährstoffmangel
  • Störung der Darmflora
  • und vieles mehr

Chronische Entzündung – Hashimoto-Thyreoiditis

Sie ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen im Erwachsenenalter, welche vor allem Frauen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren betrifft.

Hierbei beginnt der Körper mit der Zeit, Antikörper gegen die eigene Schilddrüse zu bilden, was zu einer chronischen Entzündung des Gewebes führt.

Schritt für Schritt wird dieses dann zerstört und die Hormonproduktion immer weiter verringert. Zuerst treten nur leichte Symptome auf, welche oft erst nach Jahren schlimmer werden. In der Schulmedizin gilt diese Erkrankung als unheilbar, aber ist das wirklich so? Dazu kommen wir später.

Postpartale Thyreoiditis

Tritt bei etwa fünf bis zehn Prozent aller Frauen nach der Entbindung auf, wodurch eine Unterfunktion entsteht. Diese geht bei der Hälfte der Fälle von alleine zurück und hinterlässt auch keine langfristigen Schäden. Bei der anderen Hälfte jedoch entwickelt sich eine chronische Entzündung mit ähnlichen Folgen wie bei der Hashimoto-Thyreoiditis.

Erkrankung der Hirnregion

In seltenen Fällen liegt eine Erkrankung des Hypothalamus und/oder der Hypophyse vor. Diese beiden Gehirnregionen steuern die Ausschüttung des Thyreotropin-releasing-Hormon (TRH) und des Thyroidea-stimulierenden-Hormons (TSH).

Diese beiden Hormone sind wichtig, damit am Ende die Schilddrüse dazu angeregt wird, ihrerseits ihre Hormone zu produzieren und auszuschütten.

Symptome

Je nach Schweregrad der Hypothyreose zeigen sich keine bis lebensgefährliche Beschwerden. Zu Beginn liegt oft nur eine sogenannte latente oder subklinische Unterfunktion vor. Hier sind die Betroffenen meist beschwerdefrei, erst wenn die Erkrankung manifest wird treten erste Symptome auf.

Auch spielt das Alter eine wichtige Rolle, da hier ebenfalls Unterschiede bestehen.

Da die Schilddrüse sowohl Einfluss auf verschiedene Organe im Körper wie auch das Nervensystem und die Psyche hat, sind auch die Symptome sehr vielfältig.

Häufige Symptome sind:

  • Leistungsminderung
  • Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • verstärktes Kälteempfinden
  • Konzentrationsschwäche
  • Verstopfung
  • Myxödem (teigige Verdickung der Haut)
  • trockene, rissige Haut
  • Gewichtszunahme und erhöhter Cholesterin Wert (besonders LDL-Cholesterin)
  • sprödes, brüchiges Haar und Haarausfall
  • brüchige Nägel
  • chronische Verstopfung
  • Depressionen
  • Schwellungen im Gesicht, besonders der Augenlider
  • raue, heisere Stimme
  • Abnahme der Reflexe
  • verlangsamter Puls und niedriger Blutdruck
  • Myopathie (krankhafte Veränderung der Muskulatur)
  • bei Frauen Zyklusstörungen und fibrös-zystische Mastopathie (gutartige Veränderung des Drüsengewebes der Brust
  • bei Männern Erektionsprobleme und verringerte Libido
  • bei Kindern schwere Entwicklungsstörungen wenn die Krankheit unbehandelt bleibt
  • im Extremfall droht ein hypothyreotes Koma (Myxödemkoma) wobei Blutdruck, Herzschlag, Körpertemperatur, Reflexe und Atmung stark abfallen und verlangsamt werden

Diagnose

Die erste Untersuchung, welche bei einem Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion immer gemacht wird, ist eine Bestimmung des TSH-Wertes im Blut. Der Normalbereich liegt hier zwischen 0,4 und 4 miliUnits pro Liter (mU/l). Ist er höher, liegt einer Unterfunktion vor, ist er zu niedrig, eine Regulationsstörung im Gehirn.

Diese Untersuchung ist in Deutschland mittlerweile im Rahmen des Neugeborenenscreenings Pflicht geworden.

Darüber hinaus können noch einen Vielzahl anderer Werte ermittelt werden, um zum Beispiel eine Hashimoto-Thyreoiditis nachzuweisen.

Danach werden bildgebende Verfahren eingesetzt, zum Beispiel Ultraschall und Szintigrafie, um Größe, Beschaffenheit und Funktionstüchtigkeit der Schilddrüse zu beurteilen.

Therapie

In der Schulmedizin steht die lebenslange Gabe von L-Thyroxin an erster Stelle. Dieses wird synthetisch hergestellt und ist mit dem in der Schilddrüse hergestellten T4 identisch. Im Falle eines Jodmangels wird zusätzlich Jod gegeben.

L-Thyroxin wird „einschleichend“ gegeben, dass heißt, eine geringe Anfangsdosis wird so lange schrittweise erhöht, bis die für den jeweiligen Patienten optimale Dosis gefunden ist, mit der er sich wohl fühlt und der TSH Wert gleichzeitig im Normbereich liegt.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen finden zunächst monatlich, später nur noch jährlich statt.

In der Naturheilkunde erweitern wir diese Therapie jedoch um einen ganzheitlichen Ansatz, da es unserer Meinung nicht ausreicht, lediglich die Schilddrüsenhormone durch Tabletten zu ersetzen und nicht weiter auf die Zusammenhänge im Körper einzugehen.

Da die Schilddrüse vom Gehirn, Immunsystem, Hormonhaushalt, Ernährung, Umweltfaktoren und vielem mehr beeinflusst wird, sollte auch hier nach Ursachen gesucht werden, welche es zu behandeln gilt. Diese können sehr vielfältig und für jeden Patienten höchst individuell sein, so dass hier ein erfahrener Therapeut gefragt ist.

Prognose

Gut eingestellte und ganzheitlich behandelte Patienten können in der Regel ein ganz normales und beschwerdefreies Leben führen, auch die Lebenserwartung ist nicht reduziert.